Natur und Grün

Partizipative Biotopvernetzungskonzeption

Ob Restaurierung von Trockenmauern, Blühstreifen, Gewässerrenaturierung, Feldgehölze, extensive Wiesen oder Nachpflanzung von Obstbaumhochstämmen in bestehenden Streuobstwiesen

Der Gemeinderat hat im März 2018 mit großer Mehrheit ein ehrgeiziges Ziel ins Auge gefasst: einer der ersten „Partizipative Biotopvernetzungskonzeptionen“ im Landkreis Ludwigsburg. Dabei geht es im Kern darum, dem Artensterben von Flora und Fauna ein wirksames Mittel entgegenzusetzen. Dazu sollen Lebensräume erhalten, neue für Tiere und Pflanzen geschaffen und dann miteinander vernetzt werden. Eine solche Konzeption dient als fachliche Grundlage und ist wesentlicher Bestandteil und Leitfaden unserer Stadtentwicklung im Bereich Naturschutz, Ausgleichsmaßnahmen und Biodiversität. Durch die Erschließung von Gewerbe- und Wohnbaugebieten und Verkehrsinfrastruktur besteht in den nächsten Jahren ein dringender Bedarf an Ausgleichsflächen.
Die Erstellung erfolgt im Trialog zwischen Verwaltung, Naturschutz und Landwirten. Dadurch wird sichergestellt, dass nicht nur das lokale „Know-how“ und das der Vertreter des Landwirtschaftsamtes, der Unteren Naturschutzbehörde und des Landeserhaltungsverbandes einfließen, sondern auch eine frühzeitige Interessensabwägung erfolgt. Im besten Fall also eine klassische Win-Win-Situation.
Das Projekt wird mit einer Anteilsfinanzierung in Höhe von 50% vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz des Landes Baden-Württemberg gefördert. In mehreren Arbeitsschritten und Arbeitssitzungen wird das Konzept aktuell entwickelt das bis Ende Oktober, dem Ende der Förderfrist, fertiggestellt sein muss.
 

Das Projektgebiet umfasst das sogenannte „Offenland“, also nicht den Siedlungsbereich und auch nicht den Wald. Bei einer Gesamtgemarkungsfläche von rund 2.071 ha nimmt dieser Untersuchungsraum mit rund 1400 ha einen Löwenanteil ein.
 
Der erste Arbeitsschritt bestand in der Analyse des Naturraums und der Kartierung der Vogelwelt sowie dem Feuersalamandervorkommen, die als Indikatoren für andere Tierarten betrachtet werden können.
 
Aktuell steht die Maßnahmen – und Umsetzungsplanung an, u.a. auch mit sogenannten Produktionsintegrierten Naturschutz- bzw. Kompensationsmaßnahmen. Diese kurz PIN oder PIK genannten Maßnahmen stoßen auch bei den Landwirten auf großes Interesse. Bestenfalls werden Maßnahmen dort erfolgen, wo die Flächen für die landwirtschaftliche Produktion nicht optimal sind. Das können ungünstig geschnittene „Zwickelgrundstücke“, zu feuchte, zu trockene oder auch zu steile Lagen sein. Auch die Aufwertung vorhandener Biotope etwa durch Nachpflanzungen in bestehenden Streuobstweisen, Renaturierungsmaßnahmen von Bachläufen oder alten Weinbergmauern wären geeignete Maßnahmen. Es soll vermieden werden, dass die Landwirtschaft in doppelter Hinsicht Verlierer ist. Einmal durch einen Eingriff durch Baumaßnahmen und ein weiteres Mal durch Kompensationsmaßnahmen. Eine hohe Akzeptanz der Maßnahmen bei allen Beteiligten ist das das oberste Ziel.
Zur Maßnahmenplanung hat jüngst ein Workshop stattgefunden und in Kürze ist vorgesehen, mit allen Bewirtschaftern auf der Gemarkung in den Dialog zu treten.

Naturschutz geht zurück bis in das vergangene Jahrhundert. Zum Schutz besonders wertvoller Strukturen dienen verschiedene Verordnungen, deren Ziel es ist, die Einzelobjekte oder Landschaftssteile in erster Priorität vor einer Nutzungsänderung zu schützen. Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete, § 24 a Biotope, Naturdenkmale und Geschützte Grünbestände sind elementare Ausgleichsbiotope zur intensiv genutzten Ackerflur und zum Siedlungsbereich.

Das novellierte Landesnaturschutzgesetz Baden-Württemberg finden Sie hier.

Kröte im Teich

Insgesamt stehen 380,3 Hektar der Markungsfläche unter dem Schutz der Unteren Naturschutzbehörde, Landratsamt Ludwigsburg. Dies entspricht einem Flächenanteil von 18,3%.

Broschüre zum Teich am Grünen Heiner (282,6 KB)

Karte: Geschützte Biotope und Landschaftsteile (71,2 KB)

Verboten

ist in den Schutzgebieten zum Beispiel die Errichtung von baulichen Anlagen oder die Beseitigung von Pflanzen. Eine ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung ist weiterhin möglich.

Bitte nicht vergessen: Rodungsverbot in der Zeit vom 1. März bis 30 September.

In dieser Zeit ist es verboten, Hecken, lebende Zäune, Bäume, Gebüsche und Röhrichtbestände zu roden, abzuschneiden oder auf andere Weise zu zerstören.
Form- und Pflegeschnitte sind jedoch erlaubt, soweit keine Tiere dadurch gestört werden. Zu jeder Zeit sollte beim Baurechtsamt oder der Umweltschutzstelle nachgefragt werden, ob der Baum in irgendeiner Weise Bestandsschutz genießt.

Maßnahmen zum Schutz wertvoller Streuobstwiesengebiete

  • Streuobstwiesenförderprogramm
  • jährliche Obstbaumschnittkursaktion der Umweltschutzstelle zusammen mit den Obst- und Gartenbauvereinen (seit 1992): Vermittlung von praktischen Fähigkeiten und Informationen zur Pflege und zur Bedeutung der Streuobstwiesen
  • lokale Streuobstsaftvermarktung durch das Kinderheim Hoffmannhaus in Korntal seit 1996

Gewässerschutzmaßnahmen

  • Glemssanierungs- und Entwicklungs- und Erprobungsprogramm Glems. Ziel der Landesprogramme ist die Verbesserung der Wasserqualität. In diesem Rahmen wurde ein Teil des Aischbaches renaturiert, Gehölzstreifen gepflanzt sowie ein kommunales Gewässerrandstreifen- und Wiesenschutzprogramm aufgelegt.
    Im Jahr 2003 erfolgte die Wiederherstellung der Durchgängigkeit an der Glems durch den Rückbau von Sohlabstürzen in raue Rampen. Hier ein Info-Text aus dem damaligen Amtsblatt.
  • Vorgesehen ist eine Auwaldpflanzung an der Glems.
  • Amphibienschutzmaßnahmen am Grünen Heiner: Beschrankung während der Laichzeit, verschiedene Pflegemaßnahmen am Laichgewässer.

Sonstige Maßnahmen

  • Konsequente Anwendung der gesetzlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Maßnahmen werden in den Entwicklungsflächen für den Arten. und Biotopschutz entsprechend dem Flächennutzungsplan 2010 durchgeführt und teilweise im Ökokonto vorgehalten.
  • Grünes Strohgäu: hat zum Ziel über Gemeindegrenzen hinweg, den Natur- und Erholungsraum aufzuwerten. Beteiligt sind unter der Federführung des Landratsamtes Ludwigsburg 9 Kommunen.
  • Eine Biotopkartierung dient der Umweltschutzstelle als Planungsgrundlage.

Die Beispiele zeigen, das große ehrenamtliche Engagement einzelner Bürger, Naturschutzverbände und anderer Verbände für den Naturschutz.

Beispiele

  • eine Streuobstwiese im Steinböss und im Gschnaidt
  • Gehölzpflanzung am Dreispitz und am Aischbach, am Wasserbehälter und am Steinbruch an der Schöckinger Straße
  • Zehn Patenschaften an den BUND, die Obst- und Gartenbauvereine, den Naturschutzbund (für das "Vogelhaus" alte Trafostation an der Solitudestraße und in Münchingen im Gewann Seiten), den Schwäbischen Albverein und den CDU-Ortsverein Münchingen (Pflege eines Aischbachabschnittes).
  • Baum- und Beetpatenschaften einzelner Bürgerinnen und Bürger.

Innerstädtische Grünflächen und Baumbestand

Sie erfüllen vielfältige Aufgaben

  • ausgleichende Wirkung auf das Stadtklima
  • Beitrag zur Grundwasserneubildung
  • Staub- und Lärmminderung
  • Förderung der Vielfalt von Pflanzen und Tieren im Siedlungsbereich
  • Sie dienen der aktiven und passiven Erholung
  • ökologische Funktionen
  • Naturerlebnis für die Stadtbevölkerung

Mit dem Konzept der ökologischen Grünpflege im Stadtgebiet sollen die Anforderungen des Arten- und Biotopschutzes in der Stadt mit den Nutzungsansprüchen an Grünanlagen miteinander verknüpft werden.

So sieht die Grünpflege im Herbst 2013 aus. (88,7 KB)

Baumkontrollen

Die verschärfte Rechtsprechung macht die systematische Kontrolle des öffentlichen Baumbestandes notwendig. Daher werden die Stadtbäume seit 1998 ein bis zweimal jährlich visuell begutachtet und auf Ihre Verkehrssicherheit hin überprüft. Mittelfristig soll ein Baumkataster aufgebaut werden und in das kommunale Informationssystem (KIS) integriert werden.